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1

Freitag, 8. Dezember 2006, 18:37

Werkstoffe: Zinkkorrosion, leider auch heute noch ein Thema

Hier nun mein 30seitiges Weihnachtsgeschenk für alle HAG Forum Leser. Zwei Seiten informativer Text zum Thema, der grosse Rest Bilder und Analysen dazu.

Warum dieser Artikel?

Im Herbst dieses Jahres erhielt ich aus Hongkong ein Flugzeugmodell das ungefähr vier Jahre alt ist und komplett von Zinkkorrosion (Zinkpest) zerstört ist. Ich war in höchstem Masse erstaunt, dass so etwas heute überhaupt noch vorkommt. Bekannt war es mir nur von alten Eisenbahnen und Autos die aus den 50er Jahren und früher stammen.

Darauf beschloss ich der Sache auf den Grund zu gehen und die Möglichkeiten die ich habe zu nutzen. An dieser Stelle noch meinen Dank an alle meine Arbeitskollegen die mir dabei geholfen haben.

Teile von diesem Beitrag sind auch in Englisch auf einem amerikanischen Forum über Modellflieger platziert. Dort meldeten sich diverse Sammler die von Zinkkorrosion betroffenen Modelle in ihrer Sammlung haben. Also scheint es sich tatsächlich nicht um Einzelfälle zu handeln.

Aufruf an HAG

Bitte verlegt eure Produktion der Zinkdruckgussteile nie nach China, was in meinem Artikel steht könnte sonst auch euren Produkten blühen und das im wahrsten Sinn des Wortes.

Artikel Zinkkorrosion

Den Artikel habe ich von zwei Korrosionsspezialisten prüfen lassen und sie haben mir grünes Licht für die Publikation gegeben.
http://www.8703.ch/train/info/zinkkorrosion_hag.pdf

Dieser Artikel soll allen Sammlern von Zinkdruckguss Modellen eine Hilfe sein damit ihnen das nicht passiert und dass betroffene Modelle erkannt werden können.
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Dany

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2

Freitag, 8. Dezember 2006, 20:44

Aua aua aua aua.

Aeroclassics habe ich ja keine, und da habe ich bei Ebay auch schon einige gesehen, welche so spröde LAckierungen hatten. Könnten also theoretisch auch auf dieses Phänomen zurückzuführen sein.

Und das sagst du erst jetzt... Jetzt, wo ich gerade mit 6 neuen Geminis, Phoenixxens und Herpas nach Hause komme...

Item, meine Modelle sind in der Wohnung. Ich hatte mal die Idee, einen Teil davon im Keller zu lagern, werde jetzt aber tunlichst davon Abstand nehmen. In dem Sinne danke für die Warnung. Auch die Eisenbahnmodelle mit Metallgehalt werde ich in dem Fall wieder aus dem Keller holen.

Hast du schon die Flugzeug-Sammel-Welt informiert? http://www.wings900.com? http://www.diecastaircraftforum.com?
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3

Freitag, 8. Dezember 2006, 20:56

Zitat von »"Dany"«

Und das sagst du erst jetzt... Jetzt, wo ich gerade mit 6 neuen Geminis, Phoenixxens und Herpas nach Hause komme...


Phoenix ist häufig gleich Gemini, sprich es werden die gleichen Formen verwendet. Bis jetzt scheint es bei diesen Modellen kein Problem zu sein, ausser sie wurden unter sehr ungünstigen Bedingungen gelagert.

Zitat von »"Dany"«

Hast du schon die Flugzeug-Sammel-Welt informiert? http://www.wings900.com? http://www.diecastaircraftforum.com?


Ich hatte das Thema auf 400SH, alles gelöscht plus persönliche Verwarnung vom Hersteller von Aeroclassics.

Es ist auf DA.C http://www.diecastaircraftforum.com/1-40…zinc-alloy.html zu finden. Dort habe ich die Auszeichnung exzellenter Beitrag erhalten.

Und es ist auf diesem Schweizer Forum http://34189.dynamicboard.de/?board=34189 zu finden.
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Unholz

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4

Freitag, 8. Dezember 2006, 21:13

Zitat von »"Cebu Pacific"«

Ich hatte das Thema auf 400SH, alles gelöscht plus persönliche Verwarnung vom Hersteller von Aeroclassics.


Danke, Cebu Pacific, da hast Du ja ein interessantes Thema lanciert (und dabei, wenn ich mir diese Flugi-Foren so anschaue, auch berechtigtes Aufsehen erweckt!).

Ich habe auch einen oder zwei HAG-Güterwagen aus den 1950ern, wo ich mich angesichts kleiner "Blatern" und so weisslichem "Zahnstein" in Vertiefungen schon mal leise gefragt habe, ob da vielleicht eine Art Zinkkorrosion vorliegen könnte - habe aber den Gedanken dann wieder verworfen, denn nach so langer Zeit müssten die doch eigentlich schon voll zerbröselt sein. Oder etwa doch nicht...?
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5

Freitag, 8. Dezember 2006, 21:51

Zitat von »"Unholz"«


Ich habe auch einen oder zwei HAG-Güterwagen aus den 1950ern, wo ich mich angesichts kleiner "Blatern" und so weisslichem "Zahnstein" in Vertiefungen schon mal leise gefragt habe, ob da vielleicht eine Art Zinkkorrosion vorliegen könnte - habe aber den Gedanken dann wieder verworfen, denn nach so langer Zeit müssten die doch eigentlich schon voll zerbröselt sein. Oder etwa doch nicht...?


Die Korrosionsgeschwindigkeiten sind sehr unterschiedlich und stark von vielen äusseren Bedingungen und der Legierung abhängig. Siehe mein Artikel.

Was der weisse Staub ist, muss ich mich am Montag nochmal schlau machen, meinte aber der sei eher harmloser da er ein Korrosionsprodukt an der Oberfläche ist, was natürlich leider auch den Lack mit der Zeit zerstört.
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esoxli

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6

Freitag, 8. Dezember 2006, 22:36

8) Cebu Pacifik, Deine sehr gute Publikation habe ich mit grossem Interesse gelesen. Ich denke, dass viele (oder die meisten) Forums-Mitglieder noch gar nie mit diesem Phänomen zu tun hatten. Als Sammler von vornehmlich alten Sachen aber ist man häufig mit der Zinkpest konfrontiert. Ich mag mich gut an mein „Erstes Mail“ erinnern, als ich bei einem älteren Herrn ein Trix-Express-Lot besichtigte, welches sein Vater ca. 1937/38 anschaffte mit einzelnen Nachkäufen kurz nach dem Krieg. Das Lot lagerte nun nachweislich unberührt seit Anfang der 50er Jahre im Estrich.

Der Herr öffnete nun vor meinen Augen die Original Kartons mit den vermeintlichen Loks (insgesamt 4 Stück), welche noch im alten Oel-Papier eingewickelt waren. Und ich traute meinen Augen nicht; in zwei Kartons waren nur noch kleine und kleinste Einzelteile, sicher mehr als 50 Stück, zu sehen. Das einzige, noch völlig unversehrte Teil war ein Blechtender. Und das grösste noch zusammenhängende Teil war ein halbes Fahrwerk mit einem Teil des Führerhauses. Ich dachte im ersten Moment, der Mann wolle mich verarschen. Und erst als ich in sein ebenso erschrockenes Gesicht schaute, glaubte ich ihm seine Unwissenheit. Sehr viel später, nach Konsultation eines langjärigen und erfahrenen Sammlers wurde mir dann klar, was sich während der langen Lagerzeit in den Kartons abgespielt hat. Wenn man das in Extremis nicht mit eigenen Augen gesehen hat (z.B. auch Materialdehnungen nicht im mm-Bereich sondern gar im cm-Bereich), glaubt man es kaum.

Zwischenzeitlich habe ich immer wieder solche Modelle in Händen, vornehmlich:
- Trix-Express HO, bis ca. 1950 (weitaus am häufigsten)
- Märklin HO, hauptsächlich kurz vor und nach dem Krieg
- Fleischmann Spur 0 bis ca. 1953 (einzelne Dampfloks, sehr häufig)
- Märklin Spur 0, hauptsächlich kurz vor und nach dem Krieg (speziell Räder)

?(: Stefan, Dein feiner weisser Staub ist die Zinkblüte, hautpsächlich auch an alten Märklin- und Trix-Modellen zu sehen. Obwohl die Modelle mechanisch nicht beschädigt sind, ist auch dieser „Rostbefall“ sehr ärgerlich und nur mit viel Arbeit zu entfernen. Hier immerhin dauerhaft möglich, während bei Zinkpest Heilungsversuche aussichtslos sind und der Zerstörungsprozess im besten Falle etwas aufgehalten werden kann. :idea:

In diesem Zusammenhang ist auch diese Seite interessant und lesenswert:

http://www.tischeisenbahn.de/Restauri/page4.htm

Peter Berg dürfte einigen von euch bekannt sein; er ist ein anerkannter und sehr netter Trix-Fachmann, der bei Fragen auch bereitwillig antwortet.

Gruss, Beat
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7

Donnerstag, 21. Dezember 2006, 18:58

Zitat von »"Unholz"«

Ich habe auch einen oder zwei HAG-Güterwagen aus den 1950ern, wo ich mich angesichts kleiner "Blatern" und so weisslichem "Zahnstein" in Vertiefungen schon mal leise gefragt habe, ob da vielleicht eine Art Zinkkorrosion vorliegen könnte - habe aber den Gedanken dann wieder verworfen, denn nach so langer Zeit müssten die doch eigentlich schon voll zerbröselt sein. Oder etwa doch nicht...?


Manche Dinge dauern schon einmal etwas länger, hier nun die versprochene Antwort. Es ist die original Antwort des Korrosions Fachmannes an mich.

Beim "weissen Staub" auf Zinkdruckgussteilen dürfte es sich um Zinkkorrosionsprodukte handeln (atmosphärische Korrosion). Sie bestehen aus basischen Zinkcarbonaten. Schädlich sind sie für die Teile insofern, dass das darunterliegende Material aufgeraut bzw. angegriffen wurde. Aber sie verhalten sich inert, d. h. sie sind nicht hygroskopisch, also beschleunigen die Korrosion nicht zusätzlich. Sie sollten jedoch entfernt werden. Es kann sich aber z. B. bei Einwirkung von Chloriden auch um Zinkchloride handeln. Diese haben aber kein pulvriges Aussehen, sondern sind mehrheitlich von "seifiger" Konsistenz.

Stefan, ich hoffe das hilft dir weiter.
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Unholz

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8

Donnerstag, 21. Dezember 2006, 19:09

Zitat von »"Cebu Pacific"«


Stefan, ich hoffe das hilft dir weiter.


Danke, Cebu, ja - zumindest weiss ich jetzt, dass es nichts "Hochansteckendes" ist, aber halt doch irgendwie wie beim Zahnarzt bzw. der dortigen Hygienikerin: das Zeugs ist lästig und sollte weg... :wink:
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9

Sonntag, 20. Mai 2007, 22:46

Interessanterweise ist ein uralter Beitrag von mir zum Zinkkorrosionsproblem wieder auferstanden weil sich immer mehr Modelle auflösen. Bis heute werden die Sammler vom entsprechenden Hersteller nicht ernst genommen und das Problem als lange gelöst deklariert. http://www.diecastaircraftforum.com/1-40…nc-alloy-3.html

Für Sammler ist das einen riesiges Ärgernis wenn sie einfach im Regen stehen gelassen werden und keine Ahnung haben welche ihrer Sammlerstücke davon betroffen sein könnten. Zudem der Hersteller auch noch vollmundig eine quality for hobby guarantee verkündet und nicht im mindesten daran denkt auch wirklich einen Ersatz zu bieten.
Gruss Erwin,

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Dany

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10

Sonntag, 20. Mai 2007, 23:24

Gibt es denn auch Berichte von betroffenen Modellen, welche nach der Herstellung gleich in die Schweiz gelangten und damit nur kurze Zeit dem salzigen-feuschten Meeresklima ausgesetzt waren? Mir scheint schon, dass es eine starke Abhängigkeit zu den Umgebungsbedingungen zu geben scheint, oder?
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11

Montag, 21. Mai 2007, 06:02

Aus eigener Erfahrung weiss ich nur, die AC Canadian B737 ist betroffen, der Flügel ist mir abgebrochen und bei einer SMA KLM B737 sind kleinere Stücke ausgebrochen und beide Heckflügel. Betroffen sein dürften wohl noch viele andere B737 von AC und SMA, man findet das leider nur heraus wenn z.B. versucht wird ein Flügel gerade zu biegen und das mache ich bestimmt nicht mehr. Optisch kann nichts erkennt werden solange der Korrosionsprozess nicht weiter fortschreitet.

Am besten achtet man darauf ob die für das AC Modell typischen kleinen Spitzen am den Flügelenden noch vorhanden sind. Fehlen diese zeigt das auf ein schlechte Legierung hin.
Gruss Erwin,

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12

Montag, 21. Mai 2007, 11:51

Auf dem DAC Forum hat jemand sehr gute Bilder eines beschädigten Modells eingestellt. http://www.diecastaircraftforum.com/507064-post141.html

Typisch sind die fehlenden Spitzen an den Flügelenden. Sehr gut zu sehen ist am Heckflügel was passiert wenn durch die Korrosion das Material beginnt zu wachsen. Das Teil verbiegt sich zusehends und die Farbe reisst durch die Zugspannung auf. Ein solches Teil bricht bereits unter geringsten Belastungen, Biegeversuche enden unweigerlich mit einem Bruch.

Von der Northwest B720 habe ich insgesamt drei Stück. Eines bei dem die Antenne beim Versuch sie zu richten abbrach, dann das Modell welches ich für meine Untersuchungen verwendete und eines das einwandfrei ist. Das Problem scheint wirklich darin zu liegen, dass unkontrolliert Rohlinge aus schlechtem Material in der Schmelze landeten und damit vermutlich keinerlei Rückverfolgbarkeit mehr gegeben ist.

Schlechtes Material kombiniert mit hoher Luftfeuchtigkeit und starken Temperaturschwankungen helfen massgeblich mit den ganzen Prozess zu beschleunigen. Wie gesagt, an einem aus schlechtem Material hergestellten Modell ist äusserlich leider gar nichts zu erkennen solange der Korrosionsprozess nicht im grösseren Masse begonnen hat.

Von den betroffen Modellen habe ich eine grössere Anzahl in meiner Sammlung, konnte bei mir keine Fortschreitung von Korrosion beobachten, was aber nicht heisst das Material ist auch wirklich in Ordnung. Es sind auch solche darunter die sicher nach der Produktion schnell in die Schweiz gelangten. Selbst dann bleibt immer noch offen ob die Rohlinge damals auf Vorrat produziert wurden und möglicherweise ein oder zwei Jahre in China den Umgebungsbedingungen ausgesetzt waren.

Alle die ältere Eisenbahnmodelle sammeln sollten sich die Bilder aus dem DAC Forum speichern oder einprägen. Sind solche Erscheinungen an einem Modell sollten alle Alarmglocken schrillen und das Modell eingehend untersucht werden bevor für teures Geld eine zukünftige Ruine erworben wird. Loks oder Wagen sind natürlich noch empfindlicher als Modellflugzeuge, da sie viel eher mechanischen Belastungen ausgesetzt sind wenn sie für den Anlagenbetrieb genommen werden.
Gruss Erwin,

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13

Donnerstag, 2. August 2007, 15:38

Leider findet das Thema Zinkkorrosion weiterhin seine Fortsetzung und bleibt aktuell. :cry:

Bei den Modellflugzeugen, alle made in China, tauchen zunehmend Qualitätsprobleme verschiedener Arten auf. Für ein anderes Forum habe ich einen entsprechenden Beitrag verfasst. Für die Sammler von Modelleisenbahnen ist dieser insofern interessant, weil die Produktion von Modellen immer mehr Richtung China drängt und ähnliche Probleme nicht ausgeschlossen werden können.

Der Beitrag ist ungekürzt und enthält dadurch einige Themenbereiche die getrost überlesen werden können. Andere halte ich für so informativ und grundlegend, dass ich mir erlaube den Platz dafür zu beanspruchen.



Zunehmende Qualitätsprobleme

In letzter Zeit häufen sich Klagen über verschiedene Arten von Qualitätsproblemen bei den Modellflugzeugen. Auch das Thema Zinkkorrosion wird immer wieder aufgegriffen. Untenstehend ist eine Auflistung von Modellen von verschiedenen Sammlern bei denen die Farbe Blasen bildet, vor allem die silbernen Partien der Flügel. Wenig erfreulich finde ich den Umstand, dass es sich hier um neuere Modelle handelt. Wichtig ist noch , alle Modelle gehören Sammlern in Hongkong.

DW
1. Singapore Airlines B777-200 Jubilee
2. United Airlines B777-200NC
3. Qatar Airways A380
4. China Eastern A340-600 World Expo 2010 Shanghai
5. Austrian Airlines A340-300 Wiener Philharmoniker

Phoenix
1. Oasis Hong Kong B747-400
2. Malaysia B747-400 Hibiscus
3. Qantas B737-800 Commonwealth Games logojet
4. Airbus A380 House Colour

GJ
1. Virgin Atlantic A340-600

http://www.diecastaircraftforum.com/518875-post1.html
http://www.diecastaircraftforum.com/519169-post15.html
http://www.400scalehangar.net/forums/sho…93&postcount=28

Solche Blasen habe ich das erste Mal auf einem BlueBox Delta B747 Modell gesehen. Die Modelle haben den Airmail Shop bereits in diesem Zustand erreicht. Eines davon habe ich erhalten, damit ich es untersuchen kann. Interessanterweise wirft vor allem die silberne Farbe Blasen. Der blanke Teil des Rumpfes ist auffallend dunkel und die Bruchstellen der Flügelantennen sind ebenfalls dunkel und grobkörnig, Befund wie üblich, vermutlich Zinkkorrosion.

Das Delta Modell habe ich noch nicht eingehend untersucht, habe aber bereits einige Abklärungen getätigt. Die dunkle Verfärbung sind Korrosionserscheinungen. Die Blasen in der Lackierung deuten auf einen porösen Guss hin. Die Untersuchungen unter dem Mikroskop bestätigen das auch vollumfänglich. Der blanke Teil des Rumpfes ist mit Lunkern an der Oberfläche übersät. Flüssige Metallschmelze bindet ungefähr zehn Mal mehr Gase als erstarrte. Damit die Gase aus dem Gussteil ausgepresst werden, wird beim Gussprozess noch nachgepresst. Unterlässt man das zugunsten einer kürzeren Giesszeit sind eingeschlossene Gase die Folge. Sie äussern sich dann als Lunker und poröse Materialstruktur und neigen stärker zur Korrosion.

Diese poröse Struktur ist dafür verantwortlich, dass sich an Lackierungen Blasen bilden können. Wird eine solch poröse Oberfläche ohne Grundierung lackiert, was bei der Delta B747 der Fall ist, so trocknet zuerst der Lack an der Oberfläche und in den Poren bleiben die Lösungsmittel eingeschlossen. Diese Lösungsmittel gasen nach und nach aus und bewirken die Blasenbildung.

Die Risse im Heck der Singapore B777 sehen sehr verdächtig nach Zinkkorrosion aus. Eine typische Erscheinung wenn sich das Material ausdehnt. Spannend ist die Beule, welche sich im Rumpf gebildet hat. Bei einer älteren Aero Classics TWA B707 habe ich die gleiche Erscheinung, wie so etwas entstehen kann ist mir im Moment noch schleierhaft. Zumindest bei meinem Modell ist die Beule hart und wächst wie ein Pickel aus dem Modell.

Die leichten Blasen an dem Aero Classics Air China B767 Modell sind interessanterweise nur am Rumpfoberteil zu sehen. Hier habe ich den Verdacht es könnte eine chemische Reaktion der Farbe mit der üblicherweise aufgelegten klaren Kunststofffolie sein. Mir fällt immer wieder auf, dass die Partien welche von der Kunststofffolie bedeckt sind leicht schmierig sind. Das ist bei allen Herstellern so die ihre Modelle auf diese Weise schützen. Am extremsten ist es mir bei einem IXO Do 335 Pfeil Modell aufgefallen. Es war als ob es eingeölt wurde und nicht nur bei meinem. Die Folien hinterlassen immer sichtbare Spuren auf den metallisch blanken Rümpfen.

In den Foren berichteten verschiedene Sammler dass ihnen buchstäblich Modelle in der Vitrine zerfallen sind, z.B. Flügel abgefallen, Fahrwerke zusammen gebrochen, auf dem Transport Teile abgebrochen und ähnliches.

Bei Airmail sind noch die einen oder anderen älteren Modelle erhältlich und bis jetzt habe ich nie die Erfahrung von beschädigten Modellen gemacht. Von daher habe ich doch die Hoffnung die beschriebenen Probleme tauchen hauptsächlich dort auf wo ungünstige klimatische Bedingungen herrschen wie eben in Hongkong, heiss, feucht, viele Temperatur Zyklen oder Sammler die ihre Modelle in wenig oder ungeheizten Garagen oder sogar Keller lagern.

Persönlich habe ich bei Modellen die schon etwas länger in meiner Sammlung sind oder bei alten Modellen, die ich erst später gekauft habe noch keine der Eingangs beschriebenen Probleme festgestellt.

Interessieren würde mich ob jemand von euch schon solche unerfreuliche Erfahrungen gemacht hat und vor allem wie sehen die Lager Bedingungen aus.

Da die Hersteller unter Kostendruck sind, wird sicher auch versucht die Rohmaterialien möglichst günstig einzukaufen und die Produktionszeiten so kurz wie möglich zu halten. Beim Material wird bestimmt immer wieder einmal Schrott darunter sein. Da die Chinesen auch gerne das Geld mit Betrug verdienen, wird sicher manchmal auch bewusst schlechtes Material verkauft.

In amerikanischen Foren wird immer wieder über die gestiegenen Preise der Modelle gejammert und die Qualität bemängelt. Für mich beissen sich die Aussagen etwas, da man nach meiner Meinung doch für die durchschnittlich $30 einiges erhält. Eine garantierte Qualität würde wohl doch etwas mehr kosten, hier sollte der Sammler etwas realistischer sein. Anderseits sollten auch Hersteller keine falschen Versprechungen machen, das macht die Sache auch nicht glaubwürdiger. Ein Sammlerstück mit nur 5 Jahren Lebensdauer ist einfach kein Sammelobjekt und taugt höchstens etwas als Spielzeug. Übrigens hat sich bis jetzt anscheinend nur Herpa dadurch vorgetan, indem sie beschädigte Modelle anstandslos ersetzt haben.

Wirklich störend am Ganzen finde ich wenn immer und immer die Antwort von den Leuten um Aero Classics kommt, bei mir ist alles in Ordnung, darum existiert das Problem nicht oder ist ein Einzelfall. Das ist absolut kundenunfreundlich, zeigt dass man den Kunden nicht ansatzweise ernst nimmt und sich nicht einmal bemüht heraus zu finden wo vielleicht die Ursache liegen könnte. Ein kleiner gedruckter Hinweis bei jedem Modell was bei der Lagerung zu beachten ist würde keine Welt kosten. Nur, wenn man sich keinen Deut darum bemüht und eben von der ganzen Materie sowieso kein blassen Schimmer hat, dann wird es ein unlösbares Problem die Kunden richtig zu beraten.

Die Abklärung woher die Blasen und die dunkelgraue Verfärbung kommen, hat mich gerade einmal 10 Minuten gekostet, inklusive dem Blick durchs Mikroskop. Statt die Sammler mit irgendwelchem unsinnigen Aussagen ruhig stellen und dafür Stunden in den Foren zu investieren würde ein kurzer Anruf an der richtigen Stelle hundert Mal mehr bewirken und wäre vor allem professioneller. Entsprechende Institute gibt es mit Garantie auch in den USA.

Bei allen Qualitätsmängeln zeigt sich einmal mehr, alle Fehler die die Europäischen Hersteller in der Vergangenheit gemacht haben wiederholen die Chinesen. So frage ich mich schon oft, warum die Menschheit so viele Dinge niederschreibt und archiviert und jeder trotz allem die Erfahrung selber machen muss oder will.

Das Problem von Zinkkorrosion taucht auch bei Modelleisenbahnen die in Billiglohn Ländern produziert werden immer wieder auf. Unabhängig davon ob es nun Osteuropa oder China ist. Zumindest mir zeigt es, der richtige Umgang mit diesem Metall haben doch zu viele Hersteller einfach nicht im Griff.
Gruss Erwin,

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Dany

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14

Donnerstag, 2. August 2007, 17:48

Ich habe gerade mal wieder alle meine 45 1:400-Modelle durchgesehen (mehrheitlich GeminiJets). Keine solche Phänomene (Blasen oder Risse) zu erkennen. Diese Modelle sind zu 20% aus den Lagerhallen von Csuka in Fällanden, zu 40% aus der Sammlung eines anderen schweizer Sammlers und der Rest kommt direkt von Airmail. Ich gehe davon aus, dass bis auf jene von Csuka, alle immer sehr gute Lagerbedingungen hatten. Bei mir stehen die Modelle ausnahmslos in der Wohnung bei 19-27°C und 30-70% Feuchte.

Bei den 245 1:500ern, die zur Zeit mehrheitlich in den Schachteln im Schrank lagern, habe ich auch noch nie so etwas bemerkt. Hier handelt es sich mehrheitlich um Herpa (80%, womit ich im Schadensfall hier glücklich wohl wäre), Starjets, Netmodels und Inflight500. Der grösste Teil wiederum in der Schweiz eingekauft, wenig in Deutschland, USA, Kanada und Singapur. Die Modelle aus Singapur von meinem Vertrauens-Schwarzhändler wären sicherlich noch am stärksten gefährdet, wobei diese auch nie sehr lange dort waren, da oft schnell vergriffen (bestelle schnell oder habe das Nachsehen).

Dabei kommt mir die aktuelle Diskussion um das Space Shuttle von Herpa in den Sinn, wo man sich darüber aufregt, dass dieses aus Plastik gefertigt wurde, da es ja auch auf der 747 platziert werden muss und es aus Vollmetall wohl das Fahrwerk der armen 747 zum Kollaps genötigt hätte. Ich finde, das sei ein Vorteil. Denn bei einem Plastikmodell hat man dieses Problem mal sicher nicht. Jetzt muss man nur noch eine alterungsbeständige Kunsstoffart nehmen, welche UV-Resistent ist. Meine Roco Re 460 SF DRS 1 (Front mehrheitlich weiss unlackiert) jedenfalls steht seit fast 6 Jahren im Regal, wird in den Morgenstunden sanft von der Sonne bestrichen und ist immer noch so weiss, wie sich das gehört.

Was die Zinkkorrosion angeht gibt es nur eines: Hier müssen sich möglichst alle betroffenen User in den Foren finden und sich austauschen. Auch die nicht betroffenen sollen sich melden (selbst 1% betroffene Modelle einer Charge kann sehr viel sein). Aufgrund der Umstände, unter welchen Modelle aus gleichen Produktionen ihr Leben verbracht haben, lassen sich dann eventuell weitere Rückschlüsse tätigen.
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Donnerstag, 2. August 2007, 20:18

Und so sieht das betroffene Modell aus.



Auf diesem Bild ist der dunkle Rumpf zu sehen. Ein guter Guss hat eine helle Farbe.



Bei solchen Lackierungen kommt beim Sammler Freude auf. :twisted:



Hoffen wir unsere Hersteller von Eisenbahnmodellen haben ihre Produktion besser unter Kontrolle.
Gruss Erwin,

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Unholz

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16

Donnerstag, 2. August 2007, 21:14

Zitat von »"Dany"«


Denn bei einem Plastikmodell hat man dieses Problem mal sicher nicht. Jetzt muss man nur noch eine alterungsbeständige Kunsstoffart nehmen, welche UV-Resistent ist.


Auch Kunststoff kann problematisch sein, einfach in anderer Hinsicht: Die Käufer der ersten RAm TEE Modelle von Märklin Mitte der 1960er Jahre werden über die spätere bananenförmige Wölbung der Wagenkästen wohl ziemlich gestaunt haben, und legendär sind auch die verzogenen Kunststoffgehäuse der frühen Trolleybus-Modelle von Eheim aus den Fünfzigern.

Mit Forumistengruss, Stefan
________________________

"Die HAG Jünger sind auf dem gleichen Niveau wie die Märklin Fundamentalisten angelangt, für alles wird die passende Ausrede und Erklärung gesucht warum gerade jetzt wieder ein Fehler entschuldbar ist."
(Heutiger "HAG-Apostel" am 25.12.2013.)
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Dany

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17

Freitag, 3. August 2007, 00:24

Natürlich gibt es auch bei Kunststoff eine Breite Palette von Problemen, welche man sich einhandeln kann. Es wurde aber bereits oft bewiesen, dass man es richtig machen kann. Wenn es nicht gelingt, das Zinkkorrosionsproblem auszuschalten, werden Sammler in Küstennähe nie Freude an ihren Zinkmodellen haben... In diesem Sinne könnte eben dann Kunststoff - sachgerecht angewandt - eine gangbare Alternative sein.

@Cebu: Welches Modell genau ist die Delta? Dieses hier: http://www.wings900.com/modeldatabase/detailview-13769.html ?

Bei deiner ist die Wingtip Antenna bereits weg. Auf dem Bild von Wings900 hat sie etwa einen 10°-Winkel. Was mich zur Frage bringt: Ist die ganze Serie betroffen?

Vermutlich sind nicht alle Modelle aus der selben Schmelze. Eventuell werden die Rümpfe gleich wie bei HAG mal auf Halde produziert und erst eine gewisse Zeit nach dem Guss wieder hervorgeholt und lackiert. Das Delta-Modell wäre ein Jahr alt. Und doch ist das Phänomen bereits sehr stark fortgeschritten. Wie sieht das Ding in einem Jahr aus? Brauchst du dann schon langsam eine staubdichte Schachtel? ;)
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18

Freitag, 3. August 2007, 08:39

Zitat von »"Dany"«

Natürlich gibt es auch bei Kunststoff eine Breite Palette von Problemen, welche man sich einhandeln kann. Es wurde aber bereits oft bewiesen, dass man es richtig machen kann. Wenn es nicht gelingt, das Zinkkorrosionsproblem auszuschalten, werden Sammler in Küstennähe nie Freude an ihren Zinkmodellen haben... In diesem Sinne könnte eben dann Kunststoff - sachgerecht angewandt - eine gangbare Alternative sein.


Grundsätzlich bin ich auch ein Liebhaber von Metallmodellen, dass sie langlebig sind beweisen viele alte Märklinmodelle und auch andere Produkte. Wie bereits erwähnt wiederholen sich immer wieder dieselben alten Fehler, das müsste wirklich nicht sein.
Kunststoff ist sicher keine schlechte Alternative, ich bezweifle aber im höchsten Masse, dass auch wirklich die geeigneten langlebigen Kunststoffe gewählt werden. Zudem neigen sehr viele Kunststoffe dazu Wasser aufzunehmen, diese sind für feuchtwarme Klimazonen auch alles andere als geeignet.
Wir leben wohl in einer globalisierten Welt, dass die erzeugten Produkte auch global einsetzbar sind trifft leider oft genug nicht zu.

Zitat von »"Dany"«

@Cebu: Welches Modell genau ist die Delta? Dieses hier: http://www.wings900.com/modeldatabase/detailview-13769.html ?


Richtig, es ist dieses Modell.

Zitat von »"Dany"«

Bei deiner ist die Wingtip Antenna bereits weg. Auf dem Bild von Wings900 hat sie etwa einen 10°-Winkel. Was mich zur Frage bringt: Ist die ganze Serie betroffen?


Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist die ganze Serie betroffen. Diese Modelle sind mir nie in einem Shop oder auf ebay begegnet.

Zitat von »"Dany"«

Vermutlich sind nicht alle Modelle aus der selben Schmelze. Eventuell werden die Rümpfe gleich wie bei HAG mal auf Halde produziert und erst eine gewisse Zeit nach dem Guss wieder hervorgeholt und lackiert. Das Delta-Modell wäre ein Jahr alt. Und doch ist das Phänomen bereits sehr stark fortgeschritten. Wie sieht das Ding in einem Jahr aus? Brauchst du dann schon langsam eine staubdichte Schachtel? ;)


Ich gehe auch davon aus das eine grosse Anzahl Rohlinge produziert und nach und nach verarbeitet wird. Hat ein Gussteil bereits die Fehler und liegt noch längere Zeit in dem ungünstigen Klima um Shanghai an Lager ist es sehr nahe liegend das solche Korrosionsschäden auftauchen. Auch hier stellt sich einmal mehr die Frage wie gut das QS System in einer solchen Firma funktioniert. Ist ein Gussteil bereits dunkel verfärbt und Poren sind sichtbar muss das Teil entsorgt oder falls zulässig eingeschmolzen werden. Bei den meisten Produkten aus China steht und fällt die Qualität mit dem QS System. Zur Zeit funktioniert es meistens noch wie in der Vergangenheit bei uns, jemand macht ein Produktionsschritt und eine andere Person kontrolliert diesen, nicht sehr effizient aber gut wenn geschulte, zuverlässige Leute die Kontrolle ausführen.
Gruss Erwin,

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Dany

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19

Freitag, 3. August 2007, 13:36

Letzthin gab es in der Rundschau mal einen Bericht über schweizer KMU, welche in China produzieren lassen. Im konkreten Fall ging es um Gehäuse für Apparaturen. Der schweizer Unternehmer war vor Ort und wartete auf seine Gehäuse. Es schärfte der Firma mehrmals (auch dem Inhaber der Firma gegenüber) ein, dass sie vor dem Spritzen unbedingt die Schrauben in die Gewinde reindrehen müssten, weil sonst das Gewinde ja innen auch lackiert werde und das Gehäuse dann unbrauchbar werde.

Jedes Mal wurde gesagt: Selbstverständlich, machen wir.

Auch mit dem Termin wurde mehrmals versichert, dass das kein Termin kein Problem sei. Selbstverständlich war zum Vereinbarten Termin von Gehäusen für den Schweizer nichts zu sehen bei der Firma. Schlussendlich drohte der Schweizer dann selber mit dem Entzug des Auftrages, da ging es dann plötzlich. Zum letztmöglichen Termin (der Schweizer hatte ja gegenüber seinem Kunden auch einen Termin) standen da im Hof der Firma lackierte Gehäuse. Selbstverständlich waren die Gewinde innen auch lackiert. Und die Firma hatte versucht, einige der Schrauben nach dem Lackieren reinzudrehen, allerdings mehrheitlich schräg, wodurch die Gewinde zerstört waren...

Offenbar war die chinesische Firma nicht so sehr an dem Auftrag interessiert, sondern sah diesen eher als Möglichkeit, einfach etwas Geld zu verdienen, ohne Spekulation auch einen wiederkehrenden Kunden.

Ob das nun in etwa representativ ist? Auch gegenüber grossen Kunden?

Jetzt fragt sich natürlich, ob die Manufaktur, welche die Dragon Wings herstellt, dies im Nebenerwerb tut, oder ob die Firma von diesem Auftrag abhängig ist. Da fragt sich dann auch, wer Dragonwings eigentlich ist. Ist das mehr nur ein Briefkasten, oder gibt es da so etwas wie ein Management und eine QS?

Weiter fragt sich, ob es in China mehrere Firmen gibt, qwelche Flugzeugmodelle herstellen für Gemini, Herpa, Inflight500 ex BigBird500 (jetzt offenbar im Besitz von Herpa). Inflight und Netmodels sind ziemlich hochpreisig gegenüber Herpa, womit sich diese so etwas eher nicht leisten können werden. Zumindest ist nicht derartiges bekannt bislang. Hingegen gibt es beim Druck ab und wann Probleme beim Druck (hatte schon mal ein Modell von Inflight mit einem Fingerabdruck drauf in der Hand...).

Es fragt sich auch, ob es denn Konkurrenz gibt in der Diecast-Branche, oder ob der Markt nicht spielt. Wenn er nicht spielt, dann müsste als Konsequenz eben die Manufaktur zum Hersteller gehören, damit man vollen Durchgriff hat.

Bei Herpa scheint die QS einigermassen zu funktionieren, Man nimmt scheinbar auch in Kauf, dass die Liefertermine oft sehr schlecht eingehalten werden können (Es sind glaub noch nicht restlos alle Februar-Neuheiten ausgeliefert).

Ich weiss von einem Kundenmodell von Phoenix, welches 17 Mal hin und her ging, bis der Druck stimmte. Welch eine Enttäuschung, wenn der Druck dann endlich stimmt, aber dann der Zink drunter plötzlich unbrauchbar ist...
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Freitag, 3. August 2007, 14:36

Zitat von »"Dany"«

Letzthin gab es in der Rundschau mal einen Bericht über schweizer KMU, welche in China produzieren lassen. Im konkreten Fall ging es um Gehäuse für Apparaturen.


Diesen Bericht habe ich auch gesehen. Es ist für mich ein Musterbeispiel wie jemand aus unserer Kultur versucht in einer anderen mit den gleichen Methoden wie bei uns erfolgreich zu sein und es nicht schafft. Dass es nicht geht hat er bestens bewiesen.
Das schlimmste was man einem Asiaten antun kann ist, wenn er das Gesicht gegenüber einer Person verliert. Darum sagt ein Asiate auch in aller Regel immer es wird gemacht, es ist alles in Ordnung auch wenn es nicht so ist. Ein Westler der das nicht zur Kenntnis nimmt wird von Problem zu Problem schliddern.

Zitat von »"Dany"«

Jetzt fragt sich natürlich, ob die Manufaktur, welche die Dragon Wings herstellt, dies im Nebenerwerb tut, oder ob die Firma von diesem Auftrag abhängig ist. Da fragt sich dann auch, wer Dragonwings eigentlich ist. Ist das mehr nur ein Briefkasten, oder gibt es da so etwas wie ein Management und eine QS?


Dragon ist ein grosser Hersteller von Spielwaren und Modellen aller Arten. Diese Firma hat möglicherweise eigene Produktionsstätten.

Zitat von »"Dany"«

Weiter fragt sich, ob es in China mehrere Firmen gibt, qwelche Flugzeugmodelle herstellen für Gemini, Herpa, Inflight500 ex BigBird500 (jetzt offenbar im Besitz von Herpa). Inflight und Netmodels sind ziemlich hochpreisig gegenüber Herpa, womit sich diese so etwas eher nicht leisten können werden. Zumindest ist nicht derartiges bekannt bislang. Hingegen gibt es beim Druck ab und wann Probleme beim Druck (hatte schon mal ein Modell von Inflight mit einem Fingerabdruck drauf in der Hand...).


Ob Gemini seine Rohlinge selber giesst weiss ich nicht, es sind bis jetzt aber die einzigen die ich kenne welche auch die Formen besitzen, das gleiche gilt natürlich auch für Herpa.

Zitat von »"Dany"«

Es fragt sich auch, ob es denn Konkurrenz gibt in der Diecast-Branche, oder ob der Markt nicht spielt. Wenn er nicht spielt, dann müsste als Konsequenz eben die Manufaktur zum Hersteller gehören, damit man vollen Durchgriff hat.


Konkurrenz gibt es genug, der Markt spielt auch, es kommen immer neue Hersteller mit Modellen. Die geben aber nur bei irgendwelchen Fabriken Modelle in Auftrag und gehen vermutlich oft ohne Kontrolle des Auftraggebers direkt zu den Grossverteilern. Bei einigen Produzenten haben Chinesen über die Hintertür Zugriff und zweigen sich ihren Teil von der Produktion ab der über ebay verkauft wird. Mit Aero Classics und Inflight passiert das regelmässig. Oft tauchen diese Produkte zuerst auf ebay auf bevor überhaupt ein Händler sie je zu Gesicht bekommt.

Zitat von »"Dany"«

Bei Herpa scheint die QS einigermassen zu funktionieren, Man nimmt scheinbar auch in Kauf, dass die Liefertermine oft sehr schlecht eingehalten werden können (Es sind glaub noch nicht restlos alle Februar-Neuheiten ausgeliefert).


Die QS wird bestimmt von Deutschland aus kontrolliert, darum klappt es auch überwiegend.

Zitat von »"Dany"«

Ich weiss von einem Kundenmodell von Phoenix, welches 17 Mal hin und her ging, bis der Druck stimmte. Welch eine Enttäuschung, wenn der Druck dann endlich stimmt, aber dann der Zink drunter plötzlich unbrauchbar ist...


Da Phoenix hauptsächlich mit den Gemini Formen arbeitet habe ich im Moment keine Bedenken bezüglich der Gussqualität. Entscheidend dürfte auch sein, ob eine Zusammenarbeit mit einem Lieferanten langfristig ist, damit auch eine Gewähr besteht dass sich nicht immer die gleichen Fehler wiederholen.

Wer es sich nicht leisten kann Leute vor Ort in China zu haben die den Leuten dauernd auf die Finger schauen was sie treiben, sollte es wohl besser bleiben lassen dort etwas zu produzieren. Der ganze Ärger und die Kosten können die Ersparnis blitzschnell wegfressen wenn etwas nicht wie vorgesehen klappt.
Gruss Erwin,

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