Jouef Autorail Bugatti

  • Hallo zusammen


    ich möchte meine kleine Sammlung der Michelines mit einem "Autorail Bugatti" ergänzen. Davon gibt es ein schönes Modell von smf sowie ein Modell von Jouef aus den 80er-Jahren. Das Jouef-Modell ist eine Nachbildung des ersten Bugatti-Triebwagens Type "WR Présidentiel", der smf ist ein Modell des späteren Typs "WLG surallongé". Da ich den "Présidentiel" das interessantere Fahrzeug finde, würde ich gerne ein Jouef-Modell kaufen. Allerdings gibt es von Jouef ja auch Modelle, die nach heutigem Empfinden nicht so toll umgesetzt sind.


    Das ist auch meine Frage zum Bugatti-Modell: wie gut ist hier die modellmässige Umsetzung gelungen. Da eine Beschreibung sicher etwas Subjektives ist, habe ich ein Bild von drei unterschiedlich umgesetzten Triebwagen eingestellt: einem Lima RBe 4/4 der ersten (Spielzeug-)Generation, dem verbesserten neuen Modell mit Kardanantrieb und dem nochmals schöner umgesetzten HAG BDe 4/4.



    Wie stuft ihr den Jouef-Bugatti ein, d.h. mit welchem der 3 abgebildeten Triebwagen kann er verglichen werden?


    Hilfreich wäre für mich auch, wenn jemand ein gutes Foto seines Modells einstellen könnte oder wenn sich ev. eine Besichtigung arrangieren liesse :) .


    Schon mal besten Dank und viele Grüsse
    Peter

  • Hallo zusammen


    der Jouef-Bugatti scheint kein weitverbreitetes Fahrzeug zu sein. Ich habe mir bereits im Januar ein neuwertiges Modell in der Bucht geangelt. Gestern hat der Pöstler mir das Paket gebracht. Aber keine Angst, die Post brauchte nicht ein halbes Jahr, um mir den Triebwagen zu liefern ;) . Aber schön der Reihe nach:


    In der Bucht kaufte ich von einem französischen Anbieter ein Jouef-Modell des Bugatti "Présidentiel". Von Jouef gab es das Modell nur in der Variante SNCF:


    Jouef Bugatti SNCF


    In Le Havre fand ich beim Googeln einen MOBA-Betrieb, der das Jouef-SNCF-Modell in ein Modell der Privatbahn "ETAT" umwandelt, wie er übrigens im Eisenbahn-Museum in Mulhouse ausgestellt ist.
    Dabei kann man wählen zwischen einer Variante ohne Puffer oder der Variante mit kleinen Puffern und einfacher Kupplung direkt an der Front. Mein Modell entspricht der zweiten Variante. Ich liess mein Modell also direkt nach Le Havre senden, und gestern erhielt ich nun den ETAT-Bugatti:



    Bugatti WR Présidentiel "ETAT"



    So sieht es im Innern aus



    Der Lokführer hat seine Kanzel gefunden :P


    Und zum Schluss noch ein erstaunliches Detail: die Räder sind vorbildgerecht mit zahlreichen Schrauben nachgebildet:


    Mir gefällt der Triebwagen sehr, obwohl er nicht die Qualität eines HAG BDe 4/4 hat. Was noch folgen wird ist ein AC-Umbau mit Digitalisierung und ev. noch der Einbau einer Innenbeleuchtung sowie von einigen Fahrgästen.


    Viele Grüsse
    Peter

  • In der Tat ein sehr eigenwilliges Fahrzeug. Was bewog Dich, den umständlichen Umbau vornehmenzulassen? Die Originalversion sah doch ganz ansprechend und ziemlich ähnlich aus, oder irre ich mich?

    Wer Wind sät, wird Sturm ernten.


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  • Hallo Roger


    den Umbau liess ich machen, weil mir die Variante der ETAT deutlich besser gefällt. Einerseits die Farben selber - das Rot ist dunkler als bei der SNCF-Variante, und statt einem gelblichen Crème ist der ETAT grau - aber vorallem auch die farbliche Gestaltung beim Fahrzeugende mit unifarbener Front. Und ohne Pufferbohlen kommt für mich die spezielle Form des Bugatti noch besser rüber. Also - er gefällt mir einfach viel besser so, ist aber (denke ich) Geschmackssache ;) .


    Übrigens täuschte ich mich zuerst, mit Pufferbohle gibt es von ALP2M keine ETAT-Variante, dafür eine ohne Puffer (habe ich im Beitrag korrigiert).


    Viele Grüsse
    Peter

  • Ciao Peter,
    Ja, mir gefällt die ETAT-Version auch besser. Neben der cleanen Front natürlich auch die Chrombuchstaben an den Seiten. Als grundsätzlicher Triebwagenfan kann ich Deine Vorlieben schon ganz gut nachvollziehen.... :D

    Wer Wind sät, wird Sturm ernten.


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  • Lieber Peter
    habe ich das richtig verstanden: der LF sitzt (oder steht) in der Mitte des Triebwagens? Dann braucht er aber eine gute Schulung für die Distanzschätzung. Mir gefällt das eigenwillige Fahrzeug auch, obschon ich überhaupt keine Triebwagen sammle. Ich wünsche dir viel Freude beim Umbau.
    herzliche Grüsse
    Oski

  • Ich denke wohl, dass die Entwickler von Vorbild und Modell eine Menge Energie in die Entwicklung investiert haben -
    aber, selbst in diesem lauten klapprigen Blechwagen zu fahren ist eine wahre Katastrophe.
    Seit ich Schweizer Züge kenne, habe ich in der Schweiz in keinem vergleichbar unkomfortablen Fahrzeug gesessen.


    Werner

  • Hallo Oski und Werner


    Lieber Peter
    habe ich das richtig verstanden: der LF sitzt (oder steht) in der Mitte des Triebwagens? Dann braucht er aber eine gute Schulung für die Distanzschätzung. Mir gefällt das eigenwillige Fahrzeug auch, obschon ich überhaupt keine Triebwagen sammle. Ich wünsche dir viel Freude beim Umbau.
    herzliche Grüsse
    Oski


    Ja, Du hast es richtig verstanden, der LF hatte seinen Arbeitsplatz in der Kanzel, welche sich oberhalb der 4 Motoren befand. Muss wohl ein Höllenlärm gewesen sein, wenn der Triebwagen mit Vollgas davonbrauste... Es waren aber nicht die einzigen Triebwagen mit so einer Lokführer-Kanzel. Diese gab es bei zahlreichen anderen Triebwagen in Frankreich auch, sie waren recht verbreitet.


    Ich denke wohl, dass die Entwickler von Vorbild und Modell eine Menge Energie in die Entwicklung investiert haben -
    aber, selbst in diesem lauten klapprigen Blechwagen zu fahren ist eine wahre Katastrophe.
    Seit ich Schweizer Züge kenne, habe ich in der Schweiz in keinem vergleichbar unkomfortablen Fahrzeug gesessen.
    Werner


    Ich hatte leider nie das Vergnügen, in einem Bugatti mitzufahren. Interessant dürfte aber folgendes sein: Der Bau dieser Triebwagen verhinderte den vorzeitigen Konkurs des legendären Molsheimer Autobauers Ettore Bugatti. Ende 20er-/anfang 30er-Jahre konnnte er seine Royale-Limousinen wegen der Wirtschaftskrise nicht mehr verkaufen, und so war der Auftrag zum Bau eines Schnelltriebwagens der Retter von Bugatti. Er hatte noch zahlreiche Royale-Motoren am Lager, von denen je 4 Stück in einen Triebwagen eingebaut wurden. Sie befinden sich unter LF-Kanzel auf Seite der Lüftungs-Jalousien. Dabei verfügte jeder Motor über 16 Zylinder in sogenannter U-Anordnung, 12,8 Liter Hubraum und 200 PS bei 2'000 U/Min. Ein Présidentiel hatte also 64 Zylinder und 800 PS ...


    Und schnell waren die Bugatti auch auf Schienen. Die Triebwagen waren im Regelverkehr für eine Geschwindigkeit von 140 und später 150 km/h zugelassen. Und 1934 holte ein "Présidentiel" mit 192 km/h den Geschwindigkeits-Weltrekord für serienmässige Schienenfahrzeuge. Die Testcrew war wohl trotzdem leicht enttäuscht, da man mit dem Erreichen der 200er-Marke gerechnet hatte.


    Die "Présidentiel" wurden auch mit einem Anhängewagen, der äusserlich praktisch gleich aussah, eingesetzt. Der später gelieferte Typ "WLG", von welchem es ein Messing-Modell von smf gibt, hatte "nur" noch 2 Motoren eingebaut und war als Alleinfahrer konzipiert.


    Die Bugatti erschienen übrigens zur gleichen Zeit wie die Michelines (und etwa 4 Jahre vor unseren Roten Pfeilen), auch daran sieht man, wie Ettore Bugatti seiner Zeit weit voraus war:



    Viele Grüsse
    Peter

  • Hier mal ein Film vom Bugatti Autorail von 1934
    der fährt übrigens zweiteilig aber nur eine Einheit hat die Lokführerkanzel ;)
    http://www.youtube.com/watch?v=2QV4wy7rGt8
    von Hornby Meccano gab es auch ein Modell
    http://www.bing.com/videos/sea…E523CF8BEBBCD6549&first=0
    http://www.youtube.com/watch?v=ylEVye-cEgU

    Es grüßt der Töfflibueb aus dem Plauderforum Christoph
    Ich liebe es wenn etwas über Jahrzehnte funktioniert deshalb sammle ich HAG und fahre HOREX
    Bereits 22 Ae 6/6 davon 15 Grüne und 6 Rote und eine Swiss Express :oops::oops:

    7 Mal editiert, zuletzt von cosyloewe ()

  • Hallo zusammen


    in der Zwischenzeit habe ich meinen Bugatti auf AC umgebaut und digitalisiert sowie eine Innen- und Führerstandsbeleuchtung eingebaut.


    Allgemeines


    Für den Umbau habe ich einen langen Roco Flüsterschleifer (56 mm) und den neuen kleinen Zimo-Decoder MX 623 verwendet. Es ist der kleinste Zimo, der auch AC-analog eingesetzt werden kann. Er hat „nur“ 4 Funktionsausgänge (2 x Licht und FA1+2), für meinen Bugatti-Umbau genügt dies aber. Nebst den Frontlichtern habe ich eine Innenbeleuchtung sowie eine Führerstandsbeleuchtung eingebaut.


    Die originalen gelben Frontlicht-LED‘s habe ich belassen, die dürften für französische Fahrzeuge sogar farblich stimmen. Für die Innenbeleuchtung habe ich 9 smd-LED’s der Grösse 0603 verwendet, für die Führerstandsbeleuchtung eine „Tower-LED“. Diese LED’s sind alle warmweiss (golden white).


    Vorwiderstände sind folgende eingebaut:
    - Frontlicht: je ein 1,21 kΩ – 0.6 W pro Seite
    - Innenbeleuchtung: pro 3 LED ein Widerstand 1,2 k Ω – 0.5 W
    - Führerstand: 1,5 k Ω – 0.5 W


    Innenbeleuchtung und FS-Beleuchtung sind an je einen Funktionsausgang angeschlossen. Frontlicht und Innenbeleuchtung sind mit den eingebauten Widerständen für mein Empfinden relativ hell, ich habe deren Ausgänge deshalb auf den Wert von 48 gedimmt (Bereich = 0-255). Die FS-Beleuchtung hat mit dem 1,5 kΩ-Widerstand eine gute Helligkeit.


    Die Fahreigenschaften des 5-poligen Jouef-Motors sind erstaunlich gut. Das etwas kernige, aber nicht allzulaute Geräusch passt für mich gut zum Modell, welches im Original ja 4 „Bugatti-Royale“-Motoren eingebaut hatte.


    Verwendetes Material


    - 1 Roco Flüsterschleifer 56 mm (40501)
    - 1 Tower-LED 1.8 mm warmweiss von http://www.leds24.com
    - 9 smd-LED 0603 golden white von LEDshop
    - 5 Widerstände 1,2 kΩ
    - 1 Widerstand 1,5 kΩ
    - div. SIL-Ministecker
    - dünne Litzen z.B. von ESU oder Brawa
    - div. „Preiserleins“


    Umbau auf AC


    Sämtliche Radschleifer werden gemeinsam auf den schwarzen Schienenanschluss des Decoders geführt.


    Vom Roco Flüsterschleifer habe ich die voluminöse schwarze Kunststoff-Führung sowie die Pertinaxplatte entfernt und den Schleifer so schmal geschnitten, dass er zwischen den Achslagern des Laufgestells Platz findet. Für das rote Kabel zum Decoder habe ich ein zusätzliches Loch durch das (zweiteilige) Drehgestell gebohrt, der Motor wird mit dem orangen und grauen Decoderkabel angeschlossen:



    Schleifer für AC



    Verkabelung + Kabelführung von Radschleifer, Schleifer und Motor ist hier gut zu sehen.


    Beleuchtung


    Die Frontlichter sind DC-analog über Dioden und einen gemeinsamen Widerstand mit den Radkontakten verbunden. Dioden und Widerstand werden entfernt und die LED’s anschliessend - mit teilweise ergänzten Kabel - an den blauen Decoder-Plus sowie fahrtrichtungsgetrennt über je einen eigenen Vorwiderstand von 1,2 kΩ an die beiden Lichtausgänge (weiss + gelb) angeschlossen. Für die Lichtausgänge weiss und gelb habe ich die beiden Kontakte auf den Gehäuseseiten weiterverwendet. Der blaue Decoderplus sowie der grüne FA1 für die Innenbeleuchtung sind steckbar angeschlossen.


    Die Innenbeleuchtung besteht aus 9 smd-LED’s. Je 3 LED’s sind in Serie mit einem 1,2 kΩ-Widerstand an FA1 angeschlossen. Je eine 3er-LED-Gruppe beleuchtet die beiden Passagierräume und den Gang um den Maschinenraum. Damit die LED’s nicht durch das Dach durchscheinen, liegt zwischen Dach und LED’s ein dünner weisser Karton bzw. Aluminium-Klebband.


    Für die FS-Beleuchtung habe ich die LED im Boden eingebaut. Die Tower-LED bündelt das Licht durch die halbkugelförmige Linse relativ stark, so dass der Führerstand gut beleuchtet wird. Gehalten wird die LED einerseits durch den direkt mit Decoder und LED verlöteten Widerstand (1,5 kΩ) und andererseits durch das Loch in der Inneneinrichtung, durch welches die LED leuchtet.



    Verkabelung mit betr. Vorwiderständen für Frontlichter und Führerstands-LED



    teilweise neu erstellte Verkabelung für die Frontlicht-LED's mit Minibuchsen und -stecker



    Innenbeleuchtung im Test und Triebwagen vor dem Zusammenbau


    Die Preiserleins sollten gegen das Fenster nicht über den Sitzrand ragen, sonst lässt sich das Gehäuse nicht mehr aufsetzen.


    Der Bugatti schafft gerade noch den 36er-Radius des Märklin C-Gleis. Durch Weichen-S-Kombinationen fährt er ohne Entgleisen, wenn das Gleis einwandfrei verlegt ist. Hier kommen die 4-achsigen Drehgestelle mit den kleinen Rädern an ihre Grenzen. Ich habe für den kurzen Fahrtest die Achsen nicht auf das schmalere AC-Radsatzinnenmass zusammengedrückt. Hier besteht wahrscheinlich noch etwas „Fahrsicherheitspotenzial“.


    Es folgen noch einige Bilder des Bugatti.


    Viele Grüsse
    Peter

  • Sehr gut beschrieben, Peter! Einer Deiner seltenen Beiträge, in denen ich als Undigit drauskomme :mrgreen: Vielleicht auch daher, dass ich auch schon mal einen Triebwagen auf ähnliche Weise ausgestattet habe.
    Gut gemacht. Der Bugatti-Triebwagen ist ja so was von hässlich, dass er mir schon wieder fast gefällt.... ^^

    Wer Wind sät, wird Sturm ernten.


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  • Hallo Roger


    ja, mir gefällt der Bugatti ausserordentlich gut, das schlägt in meinem Beitrag ja sicher voll durch :D . Ich hoffe, dass der noch einzige erhaltene Bugatti im Bahnmuseum Mülhausen mal auf eine Fahrt geschickt wird, da würde ich gerne dabei sein.


    Sonst halten sich meine Umbauten in Grenzen, und nicht alles, was ich in der Werkstatt mache, ist auch "forumswürdig".


    Werde mich aber immer mal wieder im Forum bemerkbar machen ;)


    Viele Grüsse
    Peter